Über Hsipaw zum Inle Lake nach Hpa-An

Von Mandalay nach Hsipaw

Auf dem Papier ist Myanmar ein Zugreiseland und das nicht nur von Mandalay nach Hsipaw. Das Eisenbahnnetz ist fast 5000 Kilometer lang, es gibt 550 Bahnhöfe. Tatsächlich ist es jedoch schneller und günstiger mit dem Bus zu reisen. Denn die meisten Züge sind veraltet und langsam. Auf einer Strecke lohnt es sich aber definitiv den Zug zu nehmen, nämlich von Mandalay nach Hsipaw um das bekannte Goteik Viadukt zu sehen. Als amerikanische Ingenieure 1901 diese Eisenbahnbrücke vollendeten, war sie die zweitgrösste Brücke der Welt. Rund 793 Meter lang und 111 Meter hoch. Noch heute gilt diese Eisenbahnbrücke als technische Meisterleistung.

Wir hatten uns also in Mandalay je ein Fahrrad ausgeliehen und düsten auf den drei Spurigen Autostrassen durch den dichten Verkehr direkt zum Bahnhof. Kaum angekommen wurden wir bereits von den Angestellten an den Schalter 8 verwiesen. Zum Glück waren wir die einzigen wartenden Kunden. Da wir uns vorgängig über die einzelnen Klassen der Zugreise informiert hatten, war uns klar wir möchten für diese lange Zugfahrt von etwa 7 bis 8 Stunden ein Upper Class Ticket (komfortable, gepolsterte Sitze). Der nette Herr teilte uns mit, dass bereits alle Tickets verkauft seien und es nur noch die Ordinary Class (simple Holzsitze in einem chaotischem Abteil) frei seien. Wir dachten uns: klar klingt doch spannend, jedoch bekommt man diese Tickets nur am Schalter 9. Kein Stress, denn wir sind noch immer fast die einzigen Kunden an all den Schaltern. Darauf starteten wir unseren nächsten Anlauf am Schalter 9: «Guten Tag, wir hätten gerne für Morgen die Ordinary Class nach Hispaw gebucht». Der Angestellte schüttelt den Kopf und meinte zu uns, dass dieses Abteil viel zu fest ruckelt und unbequem sei! Wir sollen lieber die Upper Class buchen. Nach unserer Erklärung, die Upper Class sei ausgebucht und einem darauffolgenden kurzen Wortwechsel zwischen Schalter 8 und 9 konnten wir zufrieden mit dem Ordinary Ticket den Bahnhof mit unseren Fahrrädern verlassen. Nicht zu vergessen war das Schmunzeln des Angestellten bei der Ticketübergabe mit dem Hinweis der Zug fahre um 4.00 Uhr in der Früh los. 😊

Am nächsten Morgen ging es endlich auf diese grossartige Zugfahrt. Noch richtig verschlafen wurden wir von den freundlichen Mitarbeitern bis zu unserem Sitzplatz begleitet. Wir haben unser Gepäck unter den Holzbänken verstaut und sassen gespannt am offenem Fenster und blickten in den noch spärlich beleuchteten Bahnhof. Es waren bereits viele Einheimische im Zug oder welche, die mit der ganzen Familie auf dünnen Matten auf dem Perron auf ihren Zug wartend geschlafen hatten. Im Abteil herrschte schon reges treiben, es wurden ganze Säcke von Zwiebeln, Limetten, Reis oder Kartonkisten in allen möglichen Ecken verstaut. Punkt 4.00 Uhr ertönte das Hupen der Lokomotive und die Fahrt ging los. Anfangs dachten wir noch, dass vor lauter ruckeln und quietschen nicht alle Waggons ihr Ziel erreichen werden. Aber nach einer Weile war es einfach nur toll sich in den Holzbänken von links nach rechts fallen zu lassen. Immer wieder gab es kleine Zwischenstopps an den Bahnhöfen, wo man aussteigen konnte oder Verkäuferinnen oder Verkäufer ihre feinen Delikatessen anboten. Während der Fahrt wurde die Zugtür nach draussen immer wieder von den Verkäufern geöffnet, wo sie gekonnt aus dem fahrenden Zug sprangen und in der Dunkelheit verschwanden. Regelmässig wurden wir von Touristen aus der Upper Class besucht und fotografiert. Wir müssen im Nachhinein beide sagen, zum Glück hatte es für uns keine Tickets in den höheren Klassen. Die ganzen Gespräche mit den Einheimischen und das normale Zugleben zu sehen war wirklich unvergesslich. Auch wenn wir uns selten mit Worten verstanden haben, so konnte man oft ein Lächeln der anderen Fahrgäste erhaschen. Also wenn ihr mal in Myanmar seit, so nehmt euch für dieses Erlebnis die Zeit und entscheidet euch für die unbequemere Klasse.

 

Von Hsipaw zum Inle Lake

In Hsipaw waren wir nur eine Nacht um am nächsten Tag mit dem Bus zum Inle Lake zu fahren. Hsipaw ist bei den meisten Touristen eher ein Durchgangsort. Am Inle Lake waren wir zwei Tage und haben eine Bootstour zu zweit bei einem Einheimischen organisiert. Es ging um 8.00 Uhr direkt vor unserem Hostel, welches am Fluss gelegen ist, auf das Boot. In einer kleinen Nussschale ging es erst noch beim Kapitän, welcher auch direkt am Fluss wohnt, bei seiner Familie vorbei. Natürlich möchte der kleine Sohn bei der Arbeit seines Vaters zuschauen, kein Thema der Junior brauchte keinen Sitzplatz er wurde sogleich der neue Steuermann. Es ist herrlich zu sehen, wie selbstverständlich es ist, dass die Kinder bei der Arbeit ihrer Eltern dabei sind oder helfen. Meistens wirkt es auf uns wie eine Verschmelzung der Arbeit und dem Privatleben der Einheimischen und sie wirken glücklich. Nun ging es weiter Richtung Flussmündung zum See hinaus. Kaum auf dem offenen See angekommen, wurden wir bereits von den bekannten Einbeinruderen begrüsst. Dies ist eine spezielle Rudertechnik, welche am Inle Lake praktiziert wird. Der Rudernde steht am Heck des Bootes. Werden die Hände beispielsweise beim Fischen benötigt, so wird ausschliesslich mit dem Bein gerudert, in dem das Ruder mit dem Bein eingeklemmt wird. Heute ist es so, dass diese spezielle Rudertechnik immer mehr von Aussenmotoren abgelöst wird. Einige der Einbeinruderen posieren nur noch für Touristen um eine kleine Spende zu erhalten. Als wir jedoch weiter auf den See hinaus kamen, konnte man diese Rudertechnik noch von nahem und authentisch miterleben.

 

Vom Inle Lake nach Hpa-An

Mit dem Bus geht es vom Inle Lake nach Hpa-An im Süden von Myanmar. Dabei zielen wir unsere nächste Destination Thailand an, dazu aber mehr im nächsten Blog.

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