Über Bagan nach Mandalay

Von Yangon, im Süden von Myanmar, wollten wir Richtung Norden über Bagan nach Mandalay weiterreisen. Die erlebnisreichste Variante in Myanmar zu reisen ist per Zug. Damals von den Engländern in der Kolonialzeit gebaut ist die Bahn zwar heute nicht mehr in bestem Zustand und die Sitze je nach Klasse eher unbequem aber das Schienennetz ist fantastisch ausgebaut. Wir wollten es uns entsprechend nicht nehmen lassen dieses Transportmittel für unsere Reise in Myanmar zu nutzen. Nachdem wir die Circle-Tour in der einfachsten Klasse auf Holzbänken am Vortag machten, entschieden wir uns nach der langen Recherche von Armando für die voraussichtliche 17 stündige Zugfahrt ein Ticket in der Mittelklasse zu wählen. Angekommen am Bahnhof wurde uns mitgeteilt, dass der Nachtzug bereits komplett ausgebucht sei. Grundsätzlich wäre das ja kein Problem, nur hatten wir bereits ein Hotel in Bagan gebucht, dass nicht kostenlos stornierbar war. Denn unser Reiseführer empfiehlt uns ja die Unterkünfte in Myanmar mindestens eine Nacht im Voraus zu buchen, da das Angebot an Hotels noch spärlich ist. Entsprechend machten wir uns daran eine andere Reisemöglichkeit zu suchen. Schlussendlich entschieden wir uns für die zehnstündige Busfahrt, welche über den Tag fährt, und kamen kurz vor Sonnenuntergang in Bagan an.

 

Bagan

Die historische Königsstadt Bagan wartet mit über zweitausend Sakralgebäuden aus Ziegelstein auf Gläubige und Besucher. Besonders bekannt ist die Tempelstadt für atemberaubende Sonnenaufgänge als auch Sonnenuntergänge über der versteppten Landschaft. So liessen wir es uns nicht nehmen jeden Morgen um 4.00 Uhr – ja, manchmal war es auch 4.30 Uhr – aufzustehen. Da es für Touristen in Myanmar nicht erlaubt ist normale Benzin-Roller zu mieten, werden häufig Fahrräder und Elektro-Roller verliehen. So machten wir uns also mitten in der Nacht auf die Strasse und suchten uns einen Elektro-Roller für den Tag. Bereits bei der Ankunft verhandelten wir beim Stand direkt neben unserer Unterkunft einen angemessenen Preis und verabredeten uns für eine Abholung des Fahrzeuges um 5.00 Uhr. Am nächsten morgen machten wir uns, beide noch wirklich mehr verschlafen als wach, zum Stand und fanden verschlossene Türen und einen schlafenden jungen Herrn auf der Barakenschwelle vor. Nun ja: vereinbart war 5.00 Uhr und das war es jetzt. Also weckten wir den Jungen aus seinem Tiefschlaf und forderten den E-Roller. Etwas verpennt erklärte er uns das Gefährt und wir düsten in die Dunkelheit. Ein paar der Pagoden in Bagan dürfen bestiegen werden, wodurch man einen atemberaubenden Ausblick über die Landschaft hat. Wir steuerten also die Pagode an, welche wir am Vorabend bereits als Ziel definiert hatten. Nach wenigen Metern aber mussten wir feststellen, dass das geliehene Gefährt eine Acht im Rad hatte, so wie man es sich nur träumen lässt. Unbeirrt dessen entschieden wir uns aber weiterzufahren und nach dem Sonnenaufgang weiter zu sehen. Immerhin war es erst 5.00 Uhr und wir wohl noch nicht zu viel Diskussionsrunden aufgelegt. Also fuhren wir mit der Anleitung von Google Maps durch die Dunkelheit und suchten unser Ziel. «Ich glaube, hier müssten wir dann links abbiegen» sagte ich zu Armando am Steuer. Kaum war er abgebogen begrüsste uns ein Mädchen auf einem Roller. Sie wollte wissen, wohin wir wollen und meinte, dass wir für unser Ziel bereits zu weit gefahren seien. Nun ja, gut möglich, denn die Karte mit der Standorterkennung ist nicht perfekt genau, nicht alle Strassen hier draussen sind eingezeichnet und in der Dunkelheit sowieso kaum etwas sichtbar. Das Mädchen ergänzte, dass sie uns aber gerne zu einer unbekannten Pagode bringen könne auf welcher nicht so viele Touristen seien und der Ausblick auf den Sonnenaufgang umso spektakulärer. Wir sollen ihr nur nachfahren, sie zeige uns den Weg. Gesagt, getan und nur wenige Kurven später standen wir mitten im Nirgendwo mauseseelenalleine vor einer Pagode. Sie zeigt uns gar den Weg nach oben. Das Mädchen war wirklich nett und wir kauften ihr sogar noch eines ihrer typischen Souvenirs ab, sodass unsere Jasskarten endlich eine akzeptable Hülle haben. Der Sonnenaufgang auf dieser unbekannten Pagode war wirklich atemberaubend, nur leider blieben wir nicht ganz alleine. Auch alle anderen Sonnenaufgänge und -untergänge waren fantastisch und wir genossen jeden einzelnen. Wir fetzten mit unseren Elektroroller durch die Wüste und hatten richtig Spass. Wir fühlten uns wie Super Mario in Mario Kart beim Sternesammeln, wenn wir mit unserem Roller über die Schlaglöcher bretterten. Das erklärt wohl auch die Acht im Rad. 🙂

Hier ein paar Impressionen von unseren Tagen in Bagan:

Von Bagan nach Mandalay

In Myanmar gibt es viele Transportmöglichkeiten und wir wollen möglichst viele nutzen. Daher wählten wir für den Weg von Bagan nach Mandalay, weiter in den Norden, ein Schiff. Da wir uns langsam an das frühe Aufstehen nach den vielen Sonnenaufgängen gewöhnten, machte es uns auch keine Schwierigkeiten das Boot um 4.00 Uhr zu nehmen. Wirklich mitten in der Nacht stapften wir durch die verschlafene Anlegestelle auf das Boot und schipperten langsam auf dem Ayeyarwady in Richtung Mandalay. Je mehr die Sonne aufging und je weiter Flussaufwärts wir kamen umso mehr Leben fand am Flussufer statt. Wir beobachteten eine abwechslungsreiche Landschaft, tatkräftige Bauern auf ihren Ochsenkarren, Fischer bei der Arbeit, Kinder beim spielen und Frauen, die fleissig im Fluss die Wäsche von Hand waschten. Wir genossen den Tag auf dem Boot und nahmen viele Eindrücke mit.

Mandalay

Die Stadt in Zentral-Myanmar ist für ihre Hitze bekannt. Auch wir hatten davon gehört aber dachten wir seien uns langsam an die Wärme gewöhnt. Nicht aber an eine solche! Kaum ist die Sonne aufgegangen suchen die Menschen den Schatten und auch wir hielten es draussen ohne Fahrtwind meist nicht lange aus. Wir entschieden uns für das Leihen eines Fahrrades und düsten durch die Stadt. In Myanmar herrscht Rechtsverkehr, wodurch das Abbiegen und Einspuren einfacher ist. Wichtig beim Fahrradfahren in Myanmar ist, dass man seinen Weg immer im Auge hat und alle Verkehrsteilnehmer um sich herum wahrnimmt. Irgendwie ist sich jeder selber am nächsten aber nimmt trotzdem auf den Schwächeren Rücksicht. Welche Regeln aber genau gelten bleiben uns noch ein Rätsel aber es machte riesen Spass wieder einmal Fahrrad zu fahren und so die Stadt zu erkunden. Mandalay ist nicht nur für seine Hitze, sondern auch für Marionettentheater bekannt. Einst genutzt zur Gesellschaftskritik und Bildung, als auch zur Unterhaltung droht der Brauch bald auszusterben. Wir liessen es uns aber nicht nehmen eine Aufführung zu besuchen. Es war fantastisch den Künstlern zuzusehen, wie geschickt sie die Marionetten mit nur 20 Fäden so bewegen können als würde ein wahrer Mensch vor einem tanzen und gestikulieren. Dabei erzählten die Geschichten von alten Legenden und Märchen um Burma und liessen uns einen kleinen Einblick in deren alte Traditionen gewähren.

2 Antworten auf “Über Bagan nach Mandalay”

  1. Lieber Armando liebe Sarah, euere Berichte sind mega guet. Bei lesen kann man fast mit euch richtig erleben. Wahnsinnige Erlebnisse. Fasst alle Berichte in ein Buch ! Bei uns kommt langsam der winter schnee in den Bergen trocken und sonnig in unteren lagen. Es geht mir gut aber wie schon gesagt ziemlich traurig. Am 23. dez. sind wir bei Romano. Liebe grüsse a tutti e due. Nonno.

    1. Lieber Nonno
      Vielen Dank für dein liebes Kompliment. Hoffen wir, dass ihr dieses Jahr schöne weisse Weihnachten habt und du auch für uns eine handvoll Marroni geniesst. Wir wünschen dir schon jetzt eine schöne Adventszeit und einen lieben Gruss auch an Doris.

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