Süd- und Zentralsulawesi

Während einer geplant 13 stündigen Busfahrt hat man viel Zeit um nachzudenken. Gerade sitzen wir in einem Bus, welcher uns von Makale (Toraja Gebiet in Zentral-Sulawesi) nach Tentena bringt. Dort übernachten wir in einem Hotel und machen uns dann direkt weiter nach Poso respektive nach Ampana. Von Ampana soll es dann voraussichtlich auf die Togian Islands gehen. Von einem tiefen Schlagloch zum Nächsten schlägt es uns also jetzt in unserem schmalen Sitz herum. Aber langsam sind wir uns das etwas umständlichere Reisen in Sulawesi fast gewöhnt. Daher von vorne:

Nach den wunderbaren Tagen in Flores haben wir einen Flug genommen und sind via Bali nach Makassar geflogen. Makassar liegt ganz im Süden der sehr grossen Insel Sulawesi. Bereits beim Einsteigen in den Flieger in Bali wurden wir von einem offenbar Einheimischen Sulawesi angesprochen. Als beinahe einzige Hellhäutige fallen wir in der Menge doch offensichtlich wohl sehr auf. Er wollte von uns wissen, ob wir wirklich auch nach Sulawesi reisen, denn dahin verschlage es nicht viele Ausländer und was wir in Sulawesi gedenken zu tun. Die ursprüngliche Idee war es, dass wir in Sulawesi im speziellen die Toraja’s besuchen möchten. Die Toraja’s sind ein Volk in Zentral-Sulawesi, welche den Totenkult leben. Während der Recherche stellten wir aber fest, dass in Sulawesi zahlreiche weitere traumhafte Ziele warten, die es zu entdecken gilt. Unsere Bekanntschaft am Flughafen verriet uns, dass er gerade auf dem Weg zu seiner Familie im Torajagebiet sei. Für sein Onkel findet die Tage die Beerdigungszeremonie statt, welcher wir unbedingt beiwohnen sollen. Es sei eine einmalige Möglichkeit das wichtigste Ritual der Toraja hautnah zu erleben.

Gelandet am Flughafen in Makassar nahmen wir unsere Rucksäcke vom Gepäckband und machten uns auf die Suche nach einem (offiziellen!) Taxi. Da wir bereits im Vorfeld gelesen hatten, dass beim Ausgang des Flughafens die Fahrer wie Geier auf die wenigen Touristen fallen, machten wir uns schleunigst aus der Schusslinie. Dank Armando’s grandiosen Verhandlungsgeschicken schafften wir es ein Taxi mit einem fairen Preis zu ergattern, dass uns zu unserer Unterkunft im Stadtzentrum brachte. Doch etwas müde von der Reise und langsam hungrig, da das Flugzeugessen ungeniessbar war, wollten wir nur noch etwas essen und in unser Zimmer. Wieder erwartet empfing uns aber im Hotel ein Tourenverkäufer und wollte uns eine massgeschneiderte Reise zu den Toraja’s inklusive Beerdigungszeremonie mit Guide andrehen. Dank erneutem herrlichen Verhandlungsgeschick von Armando (Beginn der Verhandlung am Abend und Fortsetzung am nächsten Morgen) buchten wir folgende Leistungen:

  • Nachtbus von Makassar nach Makale (geplant ca. 9 Stunden)
  • Besichtigung der Beerdigungszeremonie inklusive Guide mit eigenem Roller
  • eine Übernachtung inkl. Frühstück mit Zimmerbezug bei Ankunft in Makale (06.30 Uhr)

Der Nachtbus von Makassar nach Makale war doch sehr luxuriös und relativ bequem. Wir konnten beide etwas schlafen, auch wenn auch dieser Bus wirklich von Schlagloch zu Schlagloch sprang und uns durchschüttelte. Angekommen in Makale konnten wir uns nach der Reise etwas frisch machen und wurden dann von unserem Guide Andri abgeholt. Andri fuhr uns in das Dorf, in welchem heute der zweite Tag der insgesamt vier tägigen Beerdigungszeremonie stattfand. Für die Toraja’s ist die Beerdigungszeremonie der wichtigste und schönste Tag im Leben. An diesen Tagen geht die Seele des Verstorbenen nach Puja, ins Paradies der Toraja, über. Während der Zeremonie werden zahlreiche Wasserbüffel und Schweine geopfert. Je mehr Tiere geopfert werden, umso grösser ist das Ansehen des Verstorbenen. Jede Familie, welche der Beerdigung beiwohnt, spendet der Trauerfamilie eine Gabe im gleichen Wert, wie es die spendende Familie bei ihrer Zeremonie von der Trauerfamilie bereits erhalten hatte. Somit wurden während unserer Anwesenheit einige Schweine geopfert und direkt für die Gäste in Bambusrohren über dem Feuer zubereitet. Die Bilder von der Zeremonie wollen wir hier nicht veröffentlichen, da es vielleicht nicht für Jedermanns Geschmack ist. Für uns aber war es wirklich ein äusserst interessantes Erlebnis mit extrem spannenden Eindrücken und Erläuterungen. Dank Andri, unserem Guide, durften wir inmitten der Einheimischen die Zeremonie beobachten und an Gesprächen mit den Toraja’s teilhaben. Auf wie vielen Erinnerungsbildern wir beide jetzt sind, können wir nicht sagen aber auch wir durften einige Fotos machen.

Damen in Rantepao

Mann in MakassarMädchen in Rantepao

 

Nach der Zeremonie besichtigten wir mit Andri ein typisches Toraja-Dorf und durften deren aussergewöhnlichen aber wirklich fantastischen Häusern betreten. TorajaDie schiffähnlichen Häuser sind alle von Nord nach Süd ausgerichtet und haben vis-à-vis einen Reisspeicher in gleichem Gebilde stehen. Die Häuser selber sind in drei kleine Räume geteilt. Im einen Raum leben die Eltern, in der Mitte befindet sich der Aufenthaltsraum mit Feuerstelle zum Kochen und Heizen und das dritte Zimmer ist für die Grosseltern und Kinder vorgesehen. Auf Stelzen sind die Häuser gebaut um darunter den Hoftieren (Hühner, Hunde) Wohnraum zu lassen. Die Fassaden der Häuser werden liebevoll mit natürlichen Farben bemalt. Da die Toraja’s keine Schriftzeichen aber dafür Symbole haben, hat jede symmetrische Form eine eigene Bedeutung.

Kindergraeber

Thronend am Marterpfahl vor jedem Haus hängen die Büffelhörner der verrichteten Beerdigungszeremonien. Den Toraja’s geht es im Leben nicht um Geld, sondern sie zählen ihren Reichtum anhand der geopferten Büffel. Hinter den Dörfern befinden sich jeweils die Grabstätten der Verstorbenen. Erwachsene werden in Höhlengräber gelegt, Kinder in Bäume. Nach dem Glauben der Toraja’s wohnen die Kinder bis zum 14. Lebensjahr im Baum und werden dann von einem Engel für nach Puja, deren Paradies, abgeholt. Für die Oberschicht werden mit viel Liebe zum Detail aus Jackfruite-Holz sogenannte Tau Tau’s geschnitzt. Die Seele des Verstorbenen wacht dann im Tau Tau über die Familie und ist zusätzlich das Verbindungsstück zu Puja.

TauTaus

Nach dem wirklich äusserst lehrreichen Tag mit Andri, besuchten wir am Tag darauf alleine einige weitere Dörfer und Grabstätten. Uns beide brachten die Eindrücke und der Grundgedanke der Toraja’s sehr zum nachdenken. Auch zum denken gibt es uns, dass wir zwei als meist einzige Hellhäutige überall als «Bule» bezeichnet werden. Bule bedeutet auf indonesisch wohl hell oder Ausländer und gilt als informel. Dass Kinder auf uns zu springen und uns «Bule Bule!» rufen zeigt mir, dass wir Menschen offenbar nie alle gleich sein werden, auch wenn wir immer von Gleichheit ohne Diskriminierung sprechen.

Nach den zwei kulturell aufwühlenden Tagen ist es aber an der Zeit unsere Reise nach Norden fortzusetzen. Reisen in Sulawesi ist aber alles andere als einfach. Es gibt weder einen Zug, noch gut präparierte Strassen, noch verlässliche Informationsquellen über mögliche Abfahrtszeiten, -orte und Preise. So sitzen wir also die nächsten Stunden und Tage in unterschiedlichsten Verkehrsmitteln, zwischen Reissäcken, frischen Bananen sowie unzähligen Paketen und weichen manchen aber bei weitem nicht allen Schlaglöchern aus. Wissen nicht, wie lange die Fahrt wirklich noch dauern wird. Starren aus dem Fenster und denken darüber nach, was wir erlebt haben, erleben werden und wie unsere Reise weitergeht.

2 Antworten auf “Süd- und Zentralsulawesi”

  1. Liebe Sarah und Armando
    euer Blog ist wirklich lesenswert, professionell, spannend und man spürt Eure Nähe.
    Einfach toll, dass dies heute auf diese Art und Weise geht.

    Ein Typ für die anderen Leser, da die Photos etwas klein sind: – mit der Maus diese anpeilen, rechte Maustaste drücken, Grafik kopieren und Word Programm öffnen und dort einfügen. Bild kann an den Ecken vergrössert werden.

    weiter so, passt auf Euch beide auf.
    Liebe Grüsse Paps, Albin

    1. Lieber Paps, lieber Albin
      Vielen Dank für dein Lob! Wir freuen uns, wenn die Berichte spannend zu lesen sind und wir euch etwas von unseren Erlebnissen mitgeben können. Für die grössere Darstellung der Bilder suchen wir bei Gelegenheit nach einer besseren Lösung.
      Herzlich aus Gorontalo
      Sarah und Armando

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