Ost- und Zentralcuba

Santa Clara nach Camacüey

Santa Clara ist eine junge Stadt in Zentralcuba. Nicht wegen ihres Alters sondern der vielen Studenten die in der Stadt studieren. Immerhin ist hier die drittgrösste Universität des Landes. Die grosse Sehenswürdigkeit in Santa Clara ist das „Monumento Commandante Ernesto Che Guevara“, das Denkmal für den Revolutionär Che Guevara. Am 28. Juni 1988, dem 30 Jahrestag der Schlacht von Santa Clara, wurde das Monument eröffnet. Auf dem riesigen Platz ist eine bronzene, 6.80 Meter hohe und 29 Tonnen schwere Statue von Ernesto Che Guevara. Sie zeigt „Che“ in seiner Kampfuniform mit seinem M-2 Sturmgewehr in Richtung Süden blickend. Daneben ist auf einer Steintafel der Abschiedsbrief von Che Guevara an Fidel Castro zu sehen, den er schrieb bevor er Cuba verlassen hatte. Wichtiger Hinweis: Da innerhalb des Mausoleums und Museums Fotografier- und Taschenverbot herrscht, muss man diese gar nicht mitbringen. Unwissen mussten wir unseren Rucksack mit der Kamera darin natürlich vorgängig abgeben. In dem Mausoleum ruhen seit dem 17. Oktober 1997 die sterblichen Überreste des Volkshelden und jene seiner 38 Kampfgefährten aus dem bolivianischen Guerillakrieg. Die Schlacht um Santa Clara am 29. Dezember 1958 war für Che Guevara und seine Männer einer seiner grössten Triumphe, welche Massgebend zum Sieg der Revolutionäre führte. Natürlich besichtigten wir die Sehenswürdigkeiten und liessen uns in die cubanische Geschichte instruieren.

Ernesto „Che“ Guevara Denkmal

 

Weiter geht die Reise

Nach einem spannenden Tag in Santa Clara ging es mit dem Bus für etwa 6 Stunden weiter nach Camacüey als Zwischenstopp worauf wir am nächsten Tag die hübsche Kolonialstadt in Bayamo besichtigten. Je weiter wir in den Osten von Cuba kamen, umso ruhiger und weniger Touristen gab es. Es war toll zu sehen wie die Einheimischen ihr Wochenende verbrachten. Sie gingen zum Beispiel in Kinos wo man Filme in 3D sehen konnte oder einfach die meisten Filme noch auf VHS-Videokassetten bespielt waren. Ja, eine andere Welt. Die Kinder konnten sich am grossen Hauptplatz Fahrräder oder kleine Spiel-Pferdekutschen ausleihen und den Tag im Schatten geniessen. Herrlich wenn man am Leben ausserhalb des Touristenstromes teilhaben kann und als Zuschauer agiert. So verflogen unsere Tage in Bayamo mit vielen tollen, kleinen Eindrücken.

Die Jungs sind gespannt auf den Film im Kino in Bayamo

 

Ein Plaza in Bayamo

 

Bayamo nach Sierra Maestra

Nach zwei Tagen in Bayamo ging es am Morgen mit einem Colectivo (Sammeltaxi) in 2 Stunden weiter in die Sierra Maestra. Der Nationalpark Sierra Maestra ist ein Naturparadies wie aus einem Bilderbuch. Glasklare Bächen und riesigen Bergen, Schluchten, Höhlen, Palmen und unzählige, farbenprächtige Vögel wie zum Beispiel Kolibris. Die Sierra Maestra zählt für uns zu einem der schönsten Gebiete des Landes. Es leben hier Tiere die es an keinem anderen Ort gibt und eine Flora die atemberaubender kaum sein könnte. Gerade diese schier unbezwingbare und abgelegene Ortschaft nutzten die Revolutionäre, als sie am 2. Dezember 1956 unmittelbar nach ihrer Landung mit dem Schiff (Granma) auf Cuba von den Batista Regime versprengt worden waren. In dieses unwegsame Gelände konnte ihnen das Militär nicht folgen. Als die Männer Fidel Castro, Raul Castro, Camilo Cienfuegos und Ernesto Che Guevara eher wieder per Zufall in Cinco Palmas erneut aufeinander trafen, zogen sie gemeinsam nach den Strapazen und der Anstrengung weiter in den Dschungel hoch über dem Dorf Santo Domingo. Genau hier oben wurde das Hauptquartier, die Comandancia de la Plata, welche ihr Zuhause und der Ort ihrer Planung gegen das Batista Regime war, gegründet. Die Comandancia ist nicht nur für Geschichtsinteressierte sehr spannend, sondern zudem eine beeindruckenden Wanderung in dicht bewaldetes Gebirge. Als wir in Santo Domingo ankamen gab es nur zirka zwei Unterkünfte. Mehr aber brauchte es auch nicht, da sich hier hin nur sehr wenige Touristen verirren. Uns wurde gesagt dieses Gebiet sei nichts für Flachland-Tiroler, jedoch als Schweizer sicher machbar. Am nächsten Morgen ging es direkt mit einem 4×4 Geländewagen und vier weiteren Touristen steil den Berg hinauf. Nach etwa einer viertel Stunde wurde mitten in der kurvigen Bergstrasse gehalten und uns wurde mitgeteilt, dass jetzt die steilste Strasse auf Cuba komme. Die Strasse hatte es wirklich in sich, denn eine 45 Grad Steigung ist wirklich nicht ohne. Die Wanderung durch die Sierra Maestra war sehr interessant und beeindruckend. Nebst einem fingernagelgrossen Frosch und dem Torroroco Vogel (dieser trägt die Farben der Cuba Flagge und ist daher der Nationavogel) sahen wir viele endemische Pflanzen und Tiere. Unser Guide war ein reines Geschichtsbuch und deshalb mein Opfer über jegliche Fragen zur Geschichte. Hut ab unser Guide war nicht nur Teilzeit-Biologielehrer einer Schulklasse, sondern wusste immer im passenden Moment wo auch die Bilder der Geschichte im Buch zu finden waren (ja, ohne Lesezeichen). Nach anstrengenden ungefähr fünf Stunden waren wir wieder zurück in unserer Unterkunft.

Casa de Fidel in Sierra Maestra

 

Schlafzimmer von Fidel in der Sierra Maestra

 

Müde Runde nach der Wanderung

Wanderung in der Sierra Maestra

 

Aufmerksamer Guide in der Sierra Maestra

 

Sierra Maestra nach Santiago de Cuba

Nach zwei Tagen an einem schönen Flussbett voller Steine und der vielen Eindrücke der wundervollen Wanderung zog es uns weiter nach Santiago de Cuba. In Santiago der Cuba liefen wir wie gewohnt in der Hitze einen Marathon durch die Stadt. Der Ort hat seinen ganz eigenen Charme und ist einen Besuch wert.

Ein Platz in Santiago de Cuba

 

Santiago de Cuba von oben

 

Santiago de Cuba nach Baracoa

Nach der geschäftigen Kolonialstadt ging unsere Reise tief in den osten Cubas nach Baracoa in Guantanamo. Dieser Ort ist so ziemlich der grösste östlichste Ort der Insel. Baracoa ist erst seit wenigen Jahren über den Landweg erreichbar und war zuvor nur über den Luft- oder Wasserweg zugänglich und entsprechend abgeschnitten. Nach einer langen Fahrt durch den strömenden Dschungelregen kamen wir mit völlig durchnässtem Rucksack, welcher schutzlos auf dem Dach des Colectivos platznehmen durften, in Baracoa an. Wir wurden bereits mit einer von handgeschriebenen Kartonanzeige von unserer nächste Casa Particulares Gastgeberin empfangen. Als wir all unsere durchnässten Habseligkeiten im Zimmer aufgehängt hatten, gaben wir unsere dreckige Wäsche zum waschen im Casa ab. Baracoa ist einer der schönsten Fleckchen direkt am Meer. Touristen werden seltener gesehen und man sieht hier das einfache Leben des Fischerdorfes. Am nächsten Tag durften wir unsere frisch gewaschen Wäsche in Empfang nehmen. Leider hatte die nette Frau eine etwas andere Vorstellungen gemäss der Anzahl Kleidungsstücke als wir. So haben wir die Diebin wütend zur Rede gestellt und (hoffentlich) alles zurück erhalten. Ja, die zweite gebuchte Nacht fand nicht bei ihr statt, sondern in einem anderen Casa mit einer traumhaften Terrasse mit Blick aufs Meer. Unsere neue Gastgeberin war ein Traum, sie war nicht nur Gastgeberin sondern eine begnadete Köchin. In Baracoa waren wir im Humboldt Nationalpark wandern und sind in einem winzigen Fischerdorf mit dem Boot den Fluss hinauf gerudert. Wie es eben häufig so ist, macht man bei einer solchen Tour immer noch einen Halt bei einem Kollegen der ein Restaurant hat oder eine Kakaoplantage besitzt oder ähnliches. Egal wir sind mit dem Standard-Programm immer sehr schnell zu Ende und nicht die Lieblingsgäste. Unsere Lieblingsgastgeberin in Baracoa machte uns zum Schluss ein Abendessen das für die Ewigkeit hält. Es gab frische Languste, welche über den Tag in einer Gewürzsauce eingelegt und zum Schluss grilliert wurde. Das Essen reichte mit Suppe im Voraus und leckeren Beilage für sicherlich mehr als zwei Personen.

Unser Colectivo nach Baracoa

 

Panorama über Baracoa

 

Ein Haus mit Fahrzeug in Baracoa

 

Cuba, Baracoa
Eine Momentaufnahme in den Strasse von Baracoa

 

Das Festmahl auf der Terrasse in Baracoa

 

Ausblick in den Humboldt-Nationalpark

 

Aussicht in den Park Humboldt

 

Traumhafter Strand in der Nähe von Baracoa

 

Guardalavaca nach Holguin

Nach einer knappen Woche in Baracoa ging es für uns weiter nach Guardalavaca etwas nördlicher in Cuba. In Guardalavaca waren wir nur einen Tag und nutzen diesen am weissen mit Palmen besäumten Sandstrand. Mit dem Colective ging es weiter nach Holguin, wo wir die Weiterfahrt von zwölf Stunden mit dem Viazul Bus geplant hatten – Endziel Havanna. In Holguin sind wir um 13.00 Uhr angekommen und unser Bus nach Havanna ging erst um 21.15 Uhr. Macht nichts denn in Cuba ist immer etwas los und so verbrachten wir unsere Stunden draussen an der Strasse mit beobachten, Karten spielen und kleinen Snacks gegen den Hunger.

 

Wieder zurück in Havanna

Als wir nach der langen Busfahrt am morgen zurück in Havanna angekommen waren, suchten wir uns eine Unterkunft für die letzten Tage. Mit einer kleinen, tollen Wohnung als Casa Particulares samt Küche mitten im Stadtzentrum wurden wir nach kurzer Zeit fündig. In Cuba eine heimelige Casa zu finden ist immer sehr interessant und meist ein grosses Erlebnis. Als krönenden Abschluss unserer Cubareise, ging es an meinem Geburtstag mit einem Chrysler Imperial durch die Strassen von Havanna. Natürlich durfte ich erst mit dem einzigen Italiener, welcher an diesem Autoparkplatz arbeitet, einen Preis verhandeln bevor die Fahrt durch die geschäftigen Strassen startete. 🙂

Der Oldtimer von unserer Stadtrundfahrt in Havanna

 

Havanna im Oldtimer

 

Fazit unserer Cubarundreise

Cuba ist grossartig und die Natur auf der Insel wirklich atemberaubend. Traumhafte Strände gesäumt mit riesigen Palmen wie aus dem Ferienprospekt, wobei die einheimischen Kinder im türkis und glasklarem Meer ausgelassen spielen. Grüne Urwälder mit unzähligen, farbigen Vögeln inklusive Kolibri. Stinkende Oldtimer, die unglaubwürdig mit der Zeit normal sind. Bunte Kolonialstädte, welche von einer Seite her mit Protz prahlen und von der anderen Seite in sich verfallen. Die Insel hat einen fantastischen Charme, eine sehr spannende Geschichte und seinen ganz eigenen Touch. Kurz gesagt: Cuba ist definitiv eine Reise wert und wir haben es genossen.

6 Antworten auf “Ost- und Zentralcuba”

  1. Caro Armando liebe Sarah,
    Danke für den schöne Bericht und Fotos aus Cuba. Ohne Fidel Castro ist jetzt Cuba auf ein bessere Weg und das
    habt auch Euch sicher bemerkt. Ostern ist vorbei aber vielleicht kommt endlich der Frühling. Meine schöne bemalten Ostereier sind jetzt auch vorbei, waren ungeniessbar weil ich zu früh angefangen habe zum bemalen.
    Ich wünsche Euch noch viele schöne Erlebnisse in Columbien und Liebe Grüsse von Nonno
    Romano

    1. Lieber Nonno
      Cuba befindet sich wirklich in einem Wandel. Wir beobachten sehr gespannt was kommen wird. Macht doch nichts, auf den Fotos haben die Ostereier sehr farbenfroh und schön ausgesehen – dies zählt doch zu den wichtigen Dingen.
      Saludos Armando y Sarah

  2. Hey Ihr Zwei! Das hat wieder viel Freude gemacht, den Wegen zu folgen wo ihr mich als Guides hingeführt habt. Tolle Bilder, vor allem die Farben in der Natur, an den Häusern und auf den Oldtimern, einfach genial! Ja macht gluschtig auf einen Tripp nach Cuba …
    Das Essen kann auch ausgiebig und schon fast vielfältig sein, Armando strahlt wie ein Mäuschen vor einem Stück Käse 🙂
    Viel Spass weiterhin und gespannt wartend auf die nächsten Berichte.
    Cari saluti Pà Renato

    1. Hallo Pa
      Einen Cuba Besuch lohnt sich wirklich. Wir haben die Zeit sehr genossen. Man muss dieses Festmahl schon fast feiern, ansonsten war es eher einfach.
      Liebe Grüsse
      Armando und Sarah

  3. Und endlich istder frühling gekommen. Heute sonntag ist richtig schön und warm. Ich habe eine spaziergang am See gemacht. Doris konnte nicht kommen sie leidet an eine Ischiass. Hoffe das morgen auch schön wird dann fahre ein Velo tüerli. Liebe grüssean beide und schöne Zeit in Columbien. Nonno

    1. Lieber Nonno jetzt habt ihr schon bald Sommer und du kannst wieder fleissig Velo fahren. Geniesse den Frühling und liebe Grüsse zu Hause.
      Saludos Armando y Sarah

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