Nordlaos

Von Luang Prabang ging unsere Reise einmal mehr weiter über unzählige, tiefe Schlaglöcher nach Nordlaos. Mit einem Tuck Tuck wurden wir in unserer Unterkunft in Luang Prabang abgeholt und zur Busstation gebracht, wo wir am Vortag die Bustickets nach Nong Khiew kauften. Nong Khiew lockt als kleines, beschauliches Dörfchen im Norden von Laos. Die vierstündige Busfahrt dahin war aber für mich bis jetzt die mit Abstand unangenehmste Fahrt. Angekommen an der Busstation mussten wir unsere am Vortag erworbenen Tickets in andere Billette umtauschen. Warum? Keine Ahnung. Danach wurden wir einem von drei Bussen zugewiesen und warteten darauf, dass unsere Rucksäcke darin verstaut wurden. In unserem Bus war nur noch die hinterste Sitzreihe frei. Da die aber noch nicht heruntergeklappt war, warteten wir bis dem so geschah. Über eine Stunde warteten wir (worauf auch immer) bis unser Sitz heruntergeklappt wurde und die Fahrt los ging. Armando nahm am Fenster platz und ich neben ihm. Seit wir auf der Reise sind teilen wir so einige Sachen miteinander: Socken, Kappe, Sonnenbrille, Schal, Zahnpasta, Rasierer, Deo, Duschgel und Shampoo – ja und manchmal sogar die Zahnbürste. Auf dieser Fahrt durften wir uns ausserdem auch den Sicherheitsgurt teilen. Immerhin hatte es überhaupt einen! Die Fahrt nach Nong Khiew startete also mit etwas Verspätung. Bereits auf der Rollerfahrt in Luang Prabang zum Wasserfall Kuang Si bemerkten wir, dass die Strassen in Laos extreme, völlig unerwartete, tiefe Schlaglöcher aufweisen. So schlug es uns einmal mehr auch auf dieser Fahrt von einem zum nächsten Schlagloch. So fest, dass mir manchmal gar die Luft aufgrund der Tiefe des Lochs weg blieb. Dazu kam, dass die tolle hinterste Sitzbank eben klappbar war. Offensichtlich befand sich die Installation nicht mehr in bestem Zustand. Denn plötzlich sassen Armando und ich nicht mehr auf der gleichen Höhe wie die anderen Mitreisenden, sondern etwa 30 cm tiefer. Das Gestänge des Sitzes hat sich aufgrund der Schläge und unter unserem Gewicht derart verbogen, dass es zusammengesackt ist. Die tiefe Sitzposition war alles andere als bequem und wir beide waren nur dankbar als wir endlich in Nong Khiew aussteigen durften.

Das Städtchen Nong Khiew liegt am gemächlich fliessenden Fluss Nam Ou inmitten hoch türmenden Bergen. Aufgrund der Höhe und der Tallage ist es hier bereits nicht mehr so warm wie in den bisherigen Orten auf unserer Reise. Wir entschieden uns aufgrund der Kälte gegen ein offenes Bungalow direkt am Fluss dafür für ein etwas geschlosseneres Zimmer in einem Guesthouse mit warmem Wasser. Abends wurde es wie gewohnt Zeit für eine warme Dusche. Da aber nach wenigen Sekunden ein Funke von der Steckdose zum Wasserboiler sichtbar war, entschied ich mich schnell gegen warmes Wasser. Mit eiskaltem Wasser, sowie ich das nur von einem Bergbrunnen kenne, versuchte ich das Shampoo aus meinen Haaren zu bekommen und frierte dabei bis auf die Knochen. Die darauffolgende kalte Nacht (etwa 5 Grad ohne Heizung mit nicht isolierten Wänden), verbunden mit meinen nassen Haaren führte natürlich zu einer Erkältung. Daher verbrachten wir in Nong Khiew gemütliche Tage und versuchten uns warm zu halten. Unter anderem machten wir eine Biketour in die umliegenden Dörfer entland der geernteten Reisfelder, eine Wanderung auf den Hausberg von Nong Khiew und genossen ein atemberaubendes Panorama über die Bergwelt von Nordlaos:

 

Unsere Reise weiter in den Norden machten wir mit dem Boot. Die kleine Nussschale fuhr während etwa 6 Stunden den braunen Fluss Nam Ou hinauf bis zu unserem nächsten Zwischenhalt Muang Khua. Das Boot ist ausgestattet mit ein paar Autositzen im vorderen Teil des Bootes, welche bevorzugt den wenigen Touristen überlassen werden. Die Einheimischen, sowie das meiste Gepäck inklusive Hühner, Reissäcke und Gemüse nehmen im hinteren Teil des Bootes auf einer kleinen Holzerhöhung auf dem Boden platz. Obwohl uns der Fahrer versuchte zu motivieren auf den bequemeren Sitzen zu reisen, entschieden Armando und ich wiederum in der „Holzklasse“ zu reisen und auch das unbequemere Reisen wie die Einheimischen zu erleben und zu geniessen. Im Nachhinein muss ich aber schon gestehen, dass mir mein Po am Ende der 6 Stunden auf dem Holzbrett wirklich weh tat und ich froh war, meine Beine endlich mal wieder ausstrecken zu können. Nichtsdestotrotz würde ich es ohne zu zögern wieder tun. Denn die unzähligen kleinen Eindrücke die wir so miterleben durften sind unbezahlbar. Während der Bootsfahrt nach Muang Khua fuhren wir an vielen kleinen Dörfern vorbei für welche der Fluss Nam Ou überlebenswichtig ist. Einerseits bietet ihnen der Fluss Wasser und Fisch, andererseits können die Bewohner direkt am nährstoffreichen Flussuferboden ihre Gärten bewirtschaften und von der ergibigen Natur entlang des Flusses profitieren. Wir beobachteten beispielsweise Bauern beim Holzhacken, Kinder beim Fischen, Männer beim Büffel säubern, Frauen beim Flechten von Körben und Hütten, Jungs beim Spielen im Fluss, Mädchen beim Sammeln von Schwemmholz für Feuerholz und Frauen beim Ernten vom frischen Gemüse für das Abendessen. Unser Boot hielt immer mal wieder an um einige Passagiere aussteigen und andere einsteigen zu lassen. Nach etwa 2 Stunden hielt unser Boot einmal mehr an und auch wir wurden zum aussteigen aufgefordert. Da an derjenigen Stelle gerade ein neuer Staudamm gebaut wird, kann die Strecke von Nong Khiew nach Muang Khua nicht komplett befahren werden. Mit einem Tuck Tuck wurden wir auf die andere Seite vom Staudamm gefahren, wo bereits das nächste Boot auf uns wartete und uns schlussendlich bis nach Muang Khou brachte.

In Muang Khou blieben wir einzig eine Nacht und machten uns bereits am nächsten Tag in aller früh weiter in Richtung Vietnam. Mit einem Bus fuhren wir etwa zwei Stunden bis zum laotischen Grenzposten, wo wir die offizielle Ausreise bewältigen mussten. Dann fuhr unser Bus weiter zum vietnamesischen Grenzübertritt, wo wiederum die Einreiseformalitäten erledigt wurden. Da wir bereits in Luang Prabang das Visum für Vietnam eingeholt hatten verlief der Grenzübergang ohne Überraschungen. Nach weiteren etwa 4 Busstunden erreichten wir unser erstes Ziel in Vietnam Dien Bien Puh.

2 Antworten auf “Nordlaos”

  1. Hallo ihr beiden Reisenden,
    Eure Berichte sind immer so spannend und ich freue mich immer riesig bis wieder ein neuer erscheint. Das ist eine tolle Idee, danke vielmals. Diese Eindrücke und Erlebnisse werden Euer Alltag im Leben prägen, das ist wirklich schön, dass ihr beiden das macht! Bei uns ist heute der 3. Advent und in 7 Tagen Weihnachten. Das Jahr ist ja wieder mal wahnsinnig schnell verstrichen. Wir sind heute bei Romano und Familie eingeladen und werden die Kleinen wieder mal sehen. Freuen uns darauf.
    Wie sieht denn Eure Planung betreffend Ecuador aus??? Habt ihr da schon eine Zeitangabe? Meldet Euch einfach bei meiner Cousine und Familie. Sie freuen sich wirklich sehr auf Euch beide, ihr werdet sehen, sie sind so herzliche Menschen. Also weiterhin eine gute Reise und viel Freude und Spass. Frohe Weihnachten wünschen wir Euch! Priska und Familie Beständig-Mäder

    1. Liebe Priska
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Wir freuen uns, wenn du unsere Berichte gerne liest und vielleicht auch etwas Reisefieber wecken. Ohne Pläne zu reisen ist toll, daher wissen wir noch nicht wie es weiter geht aber wir werden uns sicher melden.
      Liebe Grüsse aus Vietnam
      Sarah & Armando

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