Nord- und Zentralkolumbien

In Cartagena betraten wir das erste Mal Südamerika und während unserem fast einmonatigen Aufenthalt hat uns Kolumbien verzaubert. Das facettenreiche Land mit seiner vielfältigen Landschaft ist definitiv eine Reise wert.

Beginnen wir aber von vorne in Cartagena, an der karibischen Küste im Norden von Kolumbien. Die Hafenstadt ist bekannt für seine ummauerte Altstadt mit bunten Kolonialgebäuden, grossen Plätzen und vielen Touristen. Aber auch die brütende Sonne, welche bereits Vormittags kläglich Hitze verbreitet, ist für Cartagena bekannt. So erkundeten wir gemütlich die koloniale Stadt und schlenderten durch die kopfsteingepflasterten Strassen, wobei wir uns regelmässig in den Cafés niederliessen um von der Wärme zu fliehen und den leckeren kolumbianischen Kaffee als auch die frischen Fruchtsäfte zu geniessen.

Kirche in Cartagena
Eine Kirche in mitten von Cartagena

Cartagena

Das blumige Cartagena

 

Mit einem Bus ging unsere Reise weiter nordöstlicher nach Santa Marta. Der Bus war bis auf den letzten Platz belegt da das lange Osterwochenende vor der Tür stand und wir hatten also Glück noch einen Platz zu bekommen. Während der sechsstündigen Fahrt passierten wir regelmässige Kontrollposten und verbrachten bei einem Punkt ungewollt etwas mehr Zeit. Denn während der Überquerung der Bremsschwelle vor dem Wachposten machte es plötzlich „Buuuum“ und der Motor verstummte abrupt. Der Chauffeur versuchte mehrmals den Motor neu zu starten – erfolglos. Da wir unmittelbar vor dem Kontrollposten standen wurden die Polizisten umso ungeduldiger. Kurzerhand bat der Fahrer alle Passagiere aus dem Bus zu steigen und mit anzupacken, sodass das Fahrzeug hinter den Kontrollposten geschoben wurde. Mit schauen, ziehen an Kabeln und hämmern auf den Motor gelang es dem Fahrer zum Glück irgendwie den Motor wieder zum laufen zu bringen und unser unerwarteter Stopp am Kontrollposten wurde doch relativ schnell beendet. Angekommen in Santa Marta bezogen wir unsere Unterkunft, welche wir über die gesamten Ostertage reserviert hatten. Die Hafenstadt ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Ausflüge in den Tayrona-Nationalpark und für die umliegenden Dörfer. Davon bekamen wir aber leider nichts zu Gesicht, da es uns ungewollt ins Bett verschlagen hatte. Der Pool auf der Terrasse machte die Genesungszeit allerdings halb so schlimm.

Sonnenuntergang Santa Marta
Ein Sonnenuntergang in Santa Marta

 

Sobald die Ostertage vorüber waren, waren auch wir genesen und konnten den vorausgebuchten Flug nach Armenia, in Zentralkolumbien, wie geplant antreten. Mit einem kurzen Umsteigen in der Hauptstadt von Kolumbien und etwas Flugverspätung (nur 6 Stunden) kamen wir in Armenia an als es bereits dunkel war. Unser Endziel für den Tag hiess allerdings nicht Armenia sondern das nochmals etwa eine Stunde entfernte Salento. Mit einem Taxi rasten wir über kurvige Strasse durch die Berge in das ruhige Bergdorf. Der verschlafene Ort befindet sich südlich von Bogotá in der kolumbianischen Kaffeeanbau-Region auf 1900 Metern über Meer und ist entsprechend kühler als die heisse Karibiknordküste. Wie erwartet brauchten Armando und ich einige Tage um uns an die mittlerweile ungewohnte Kälte (am Tag ca. 20 Grad, nachts ca. 10 Grad aber immer extrem feucht) zu gewöhnen. In der Kaffeezone zu sein setzt wohl voraus, dass eine Kaffeefinca besucht wird. Also erhielten wir von unserem Gastgeber kurzerhand eine mündliche Wegbeschreibung, natürlich auf Spanisch!, und wir zogen entlang des Weges hinaus in die sagenhafte Natur um Salento. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir unsere Kaffeefinca auf welcher wir eine charmante Begrüssung des Besitzers Don Elias erhielten. Seine Mitarbeiterin führte uns durch seine Plantage und erklärte uns den Prozess der Ernte bis zum fertigen Kaffee. Anschliessend wurde uns über den Kaffeepflanzenfelder ein kolumbianischer Kaffee mit atemberaubender Aussicht serviert. Während wir also den frischen Kaffee tranken begann es aber wie aus Kübeln zu regnen. Gottseidank hat uns unser Gastgeber dicke Regenpellerinen mitgegeben, sodass wir trotz der Nässe einigermassen trocken zurückwandern konnten.

Kaffeezone
Ausblick über die Kaffeezone

 

Salento
Das farbenfrohe Salento

 

über Salento
Wir zwei über Salento

 

Am darauffolgenden Tag klingelte bereits früh morgens der Wecker. Nach dem üblichen Frühstück, Rührei mit Tomaten und Zwiebeln, Brot und Kaffee/Tee, machten wir uns auf zum Hauptplatz von Salento. Von da aus fahren in regelmässigen Abständen sogenannte Willy’s, alte umfunktionierte Jeeps mit Sitzbänken auf der überdachten Ladefläche für etwa 10-14 Personen, ins berühmte Valle del Cocora. Angekommen im Tal wartete eine faszinierende Rundwanderung von ungefähr 6 Stunden auf uns. Der Weg führte durch saftige Graslandschaften mit weidenden Kühen hinauf in den Nebelwald. Da es die vergangenen Tage immer wieder regnete war der Weg sehr matschig und wir erneut um unseren Gastgeber froh. Dieser gab uns nämlich neben den bereits bekannten Regenponchos für diese Wanderung zudem Gummistiefel mit. Wandernd durch den mystischen Nebelwald gelangen wir zu einer Kolibri-Farm. Noch nie waren wir einem Kolibri so nahe wie hier. Das Surren des schnellen Flügelschlagens höre ich noch heute in meinen Ohren, wenn ich daran denke und bin noch immer fasziniert von diesem zauberhaften Tier. Wir genossen die Verschnaufpause und versuchten ein Kolibri-Foto zu schiessen. Die Wanderung ging weiter steil hinauf und wurde immer anstrengender je höher wir kamen. Froh am höchsten Punkt angelangt zu sein, fing es wieder wie am Vortag wie aus Eimern an zu regnen. Mit unseren wertvollen Regenponchos übergezogen ging es hinunter zum Wachspalmen-Wald. Durch den starken Regen mit den Nebelwolken konnten wir die seltenen Wachspalmen, der Nationalbaum von Kolumbien, erst kaum sehen. Zudem verwandelte sich der Wanderweg je länger je mehr zu einem reissenden, braunen Fluss. Gottenfroh über unsere Gummistiefel musste aber Armando während dem Runterweg mindestens fünf Mal seine Stiefel ausleeren und es kam wirklich nicht wenig Wasser heraus. Je weiter hinunter wir kamen umso mehr liessen sich zum Glück die bis zu 60 Meter hohen Wachspalmen erkennen und trotz der Nässe genossen wir die atemberaubende Landschaft.

Valle de Cocora
Valle de Cocora mit Kühen und Wachspalmen

 

Colibri
Ein fliegender Kolibri an einer Zuckerwasserstation

 

Wachspalmen
Die Wachspalmen, der Nationalbaum von Kolumbien, im verregneten Nebel

 

Von Salento fuhren wir mit einem Bus von den saftgrünen Berge der Kaffeezone hinaus in die trockenere Landschaft nach Neiva. Neiva liegt etwa fünf Stunden östlich von Salento und unweit der Tatacoa-Wüste, unserem Ziel. Die etwa 330 Quadratkilometer grosse Wüste verdankt ihren Namen einer inzwischen ausgerotteten Schlangenart. Faszinierend türmen sich seltsame Formen mit roter oder grauer Erde heraus. Ein faszinierendes Schauspiel aber in kläglicher Hitze mit über 40 Grad. Entsprechend suchten wir nach nicht sehr langer Zeit sehnlichst den Schatten und ein kühles Getränk bevor es zurück zu unserer Unterkunft in Neiva ging.

Tatacoa-Wüste
Kaktusblume in der Tatacoa-Wüste

 

rote Tatacoa-Wüste
Die rote Tatacoa-Wüste

 

Schattensuchen in der Tatacoa-Wüste
Schattensuchend in der Tatacoa-Wüste

 

Mit einer Busfahrt von fünf Stunden fuhren wir von Neiva nach Bogotá, in die Hauptstadt Kolumbiens. Die Einfahrt in die 10 Millionen-Einwohner-Stadt war wahnsinnig beeindruckend und beängstigend zugleich. Die vielen Menschen und die einfachsten Behausungen am Stadtrand, welche sich bis hoch hinaus an die steilen Berghänge der Grossstadt ziehen, brachten uns stark zum nachdenken. Unser Hostel befand sich, wie vorgängig recherchiert, zum Glück in einem sicheren Stadtteil, sodass wir die nahe liegende Umgebung selber zu Fuss erkunden konnten. Unter anderem machten wir einen Ausflug auf den Hausberg von Bogotá, den Monserrate. Oben angekommen begrüsste uns eine Aussicht, wie wir diese schon aus Sapa in Vietnam kannten – Nebel! Nach aber wenigen Minuten schoben sich die Nebelwolken etwas zur Seite, sodass das unglaubliche Ausmass der Stadt doch nachvollziehbar war.

Nebel über Bogota
Nebel über Bogota

 

Blick über Bogota
Kleine Offenbarung über Bogota

 

Nach zwei Nächten in der verregneten Grossstadt hatten wir auch wirklich wieder genug und freuten uns auf ein einmaliges Abenteuer.

2 Antworten auf “Nord- und Zentralkolumbien”

  1. Meine Liebe Weltbummler,
    Danke für die schöne Bilder aus Kolumbien für mich die schönsten von der ganze Weltreise und auch mit Schweizer
    Kühe ! Was ist für eine Jahreszeit in Kolumbien ? Bei uns ist
    immer noch April Wetter ein Tag warm ein Tag frisch wind und
    viel Blütenstaub überall. ZSC ist meister geworden das ist OK
    ich bin Ambri Fan. Ich wünsche Euch noch viele schöne Erlebnisse und ganz fest un Abrazo Besos y buena suerte.
    Nonno Romano

    1. Lieber Nonno Herzlichen Dank für dein Kompliment. Ja, die Kühe haben uns auch an unsere schöne Schweiz erinnert. Es ist noch Regenzeit bis ende April, bald ist der Sommer auch bei euch. Ich bin auch froh das der Z Meister geworden ist:-)
      Abrazo y Saludos Armando y Sarah

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