Die Grossstadt und der Amazonas

Dick eingepackt mit Schal und Jacke hiess es für uns in Bogota, die übrigens die schnellst wachsende Stadt von ganz Südamerika ist, ab in die Wärme fliegen: mitten in den Amazonas. Beim Aussteigen des Flugzeuges wurden wir von einer hohen Luftfeuchtigkeit von 85% mit etwa 30 Grad begrüsst. Der winzige Amazonasflughafen hatte nur ein Gepäckband an dem alle Passagiere gespannt auf ihr Gepäck warteten.

Aber von Anfang an: als erstes bezahlt man am Eingang zum Flughafengebäude eine kleine Einreisegebühr, welche sich aber in einem absolutem fairen Rahmen hält: 32’000 Pesos = 11 CHF. Dieser Betrag kommt dem Amazonas zu gute. Als endlich unsere Rucksäcke auf dem Gepäckband landeten, wurden diese erst von einem Drogenspürhund kontrolliert. Leticia gilt als sehr sicher und liegt direkt im Dreiländereck Kolumbien, Brasilien und Peru. Sie ist die südlichste Stadt von Kolumbien und liegt am linken Ufer des Amazonas.

Nach einer schwül warmen Nacht samt lauter Insektenmusik hiess es erst einmal für uns die Stadt erkunden und schauen, welche Touren für den Amazonas angeboten werden. Leticia ist der perfekte Ausgangsort für Amazonas Touren, einem Besuch zu Fuss in der Nachbarstadt Tabatinga in Brasilien oder mit einer 5 minütigen Bootsfahrt über den riesigen Amazonas Fluss nach Peru. Die verschiedenen Länder können ohne Grenzkontrolle besucht werden, man sollte nur jeweils die richtige Währung, in Kolumbien den kolumbianischen Pesos, in Brasilien den Reales und in Peru den Soles, bereithalten. In Leticia hatte es nur eine handvoll Touristen was das Reisen immer sehr angenehm macht. Nachdem wir Leticia am ersten Tag erkundet und die erste Tour gebucht hatten, ging es in das erste einheimische Lokal. Dabei wurde uns unter anderem die Spezialität Mojojoy angeboten. Beim Mojojoy handelt es sich um einen weissen Wurm, den Indigene lebendig essen. Er wird auch frittiert und gebraten serviert. Wir hatten dankend verzichtet und uns für den ebenso bekannten Piranha entschieden. Der Fisch ist äusserst lecker hat allerdings nicht viel Fleisch an den Gräten.

Unser Essen, ein Piranha

Wir hatten unsere erste Amazonas Tour bei einem Einheimischen gebucht, welcher direkt am Fluss lebt. Mit einem kleinen Holzboot ging es in einen Nebenfluss, wo wir wilde, rosa Delfine beobachten konnten. Die rosa Delfine werden bis zu 3 Meter gross und sind eigentlich für andere Delfinarten untypisch absolute Einzelgänger. Es war einfach unbeschreiblich diese wilden Tiere im Amazonas von einem kleinen wackeligen Fischerboot aus zu beobachten. Ein Foto des Menschenfreundes gelang uns leider nicht. Mittagessen gab es bei unserem Guide zu Hause mit direktem Blick auf den Amazonas-Nebenfluss. Seine Frau hat uns eine richtige, lokale Köstlichkeit aus Fisch zubereitet. Nach dem Essen durften wir zwei, sowie ein einheimischer Tourist aus Bogota, in den Hängematten auf der Terrasse Platz nehmen. Die Aussicht war schlichtweg atemberaubend und in der schwülen Hitze herrlich erholsam. Nach unserer Mittagspause hatten wir im Garten die Früchte Auswahl unseres Guides bewundert. Diese Früchte sind echte Vitaminschätze und werden in Kolumbien typischerweise überall als Fruchtsäfte angeboten. Entweder trinkt man sie mit Milch oder Wasser. Die Vielfalt reicht über Papayas, Ananas, Blaubeeren, Lulos, Guama, Guayaba, Mango, Maracuya und vielen weitern Vitaminbomben von Früchten, welche wir gar nicht kannten. Der Lieblingssaft von Sarah war Mora und wurde regelmässig in grossen Mengen bestellt. Am Nachmittag durften wir Julian und Laura besuchen. Die Beiden kleinen Affen sind die wilden Haustiere der Familie unseres Guides und leben hinter dem Haus auf einem Baum. Man konnte ihnen mit dem Namen zurufen und dann kamen sie mit weiteren Artgenossen die bereitgelegten Früchte von unserem Guide abholen. Man muss hier dem Guide ein grosses Kompliment machen, denn weder er noch Touristen fassen die Tiere an. In einer Entfernung von etwa 2 Metern wird mäuschenstill gewartet und die kleinen, süssen Affen beobachtet. Unser Guide fuhr uns mit seinem einfachen Boot durch den wild, bewachsenen Dschungel und zeigte uns Tiere, Pflanzen und erzählte uns vieles über sein Leben direkt am Nebenfluss des Amazonas.

Hungriger Affe Laura oder Julian mit der Frucht Guama

 

Aussicht von der Hängematte

 

Mittagspause mal Anderst

 

Ein sehr grosser Baum im Amazonas. Wo ist Sarah?

 

Zufrieden und erschöpft machten wir uns mit dem Boot auf den Rückweg, den am nächsten Tag stand die zweite Tagestour bereits an. Am Morgen ging es mit dem Tuk Tuk zum kleinen Hafen von Leticia. Trotz der geringen Grösse des Hafens war hier reges Treiben von Arbeitern. Zu unserem Erstaunen war unsere Gruppe dieses mal um einiges grösser, denn es waren ganze 30 Personen versammelt. Wir wurden auf etwas grössere Motorboote verlagert und starteten unser Trip zum ersten Dorf. Man spürte hier bereits die Touristenabfertigung, die ihre Wege in den einsame Region, fern von anderen Zivilisationen, gefunden hatte. Zum Glück waren die Meisten Spanisch sprechend und so konnten wir unser Spanischunterricht in der Praxis weiter vertiefen. Angekommen im Dorf Macedonia wurden wir von den Dorfbewohnern herzlich begrüsst und zu ihren Verkaufsständen geführt. Leider war es für uns schwierig die authentischen Dorfbewohner kennen zu lernen, da alles auf Touristen ausgerichtet wurde. Diese Thematik gibt es natürlich überall und macht eine Tourbuchung nicht immer ganz einfach. Weiter ging es auf eine Insel auf der peruanischen Seite des Amazonas. Die Einwohner präsentierten den Reisenden alle möglichen Tiere des Amazonas aus einem Käfig und drückten Willigen die Tiere für Erinnerungsfotos und Streicheleinheiten in die Hände. Leider gibt es solche Touren zu genüge und werden von den Tourenanbieter nicht immer transparent erwähnt. Das positive an solchen Erlebnissen ist, dass man zukünftig die Angebote noch kritischer prüft und nicht immer das gemacht wird, was als absolutes Highlight gilt.

Beispielfoto: Das traurige Faultier, welches immer wieder versuchte zu flüchten

 

Die letzte Tour wurde von unserer Unterkunft organisiert. Wir hatten mit einem Einheimischen eine Nachttour in den Amazonas gebucht. Um 3 Uhr nachmittags ging es durch den strömenden Tropenregen nur zu zweit zu Fuss durch den Dschungel zu einem ansässigen Stamm. Nach etwa einer Stunde wandern wurden wir vom Guide dem Dorfvorsteher vorgestellt. Dieser machte mit uns eine kleine Führung durch sein Dorf mit etwa 40 Einwohnern. Es wurde uns nichts verkauft oder angedreht. Es waren einfach nur herzliche Menschen, welche Freude an dem Besuch von Fremden hatten. Bevor es auf das kleine Holzboot ging, kamen wir in den Genuss eines Fruchtsaftes, welcher mit einer Art Paniermehl gemischt wurde. Dieses Mehl wird im Dorf selbst hergestellt und gilt als Haupteinnahmequelle der Bewohner. Es war bereits am eindunkeln als wir mit dem Boot los schipperten. Auf einem Seitenfluss des Amazonas ging es gemütlich in die Dunkelheit. Immer wieder stoppte der Guide und zeigte uns mit seinem geschulten Auge unzählige Tiere. Unter anderem Taranteln an den Bäumen, kleinere Affen, die am Ufer auf den Bäumen lebten und unzählige Insekten, die im Amazonas leben. Auch viele Familiengeschichten oder Sagen bekamen wir erzählt. So soll es Anacondas geben die weit über 50 Meter gross werden und in Gebieten leben, an denen nicht mal die Einheimischen hinein in den Dschungel gehen. Diese unvergessliche Tour und die tollen Bekanntschaften sind jene Dinge, die das Reisen bereichern. Eigentlich wollten wir nur einige Tage im Amazonas bleiben und sind fast eine ganze Woche geblieben. Schweren Herzens mussten wir unserem Hostelbesitzer Don Armando (ja, so hiess er wirklich!) auf Wiedersehen sagen. Vollgepackt ging es mit dem Tuk Tuk zurück an den Flughafen, wo unser Flug nach Bogota zurück ging.

Sonnenuntergang im Amazonas
Am Hafen von Leticia

In Bogota übernachteten wir nochmals in unserem Lieblingshostel. Am Folgetag hatten wir uns für die bekannte Graffititour angemeldet. Diese Tour durch den Bezirk von La Candelaria wird von Streetart Künstlern in der Graffitiszene durchgeführt. Wir fanden die Graffitis an den Wänden sehr beeindruckend, einfach genial und die dazugehörigen Geschichten faszinierend. Es handelt sich hier wirklich um Kunstwerke mit einer überlegten Geschichte und mit Aussagekraft. Viele der Künstler sind auch International tätig. Zudem werden die Touren professionell und spannend geführt und man bekommt Teile der Stadt zu Gesicht die man noch nicht besucht hat. Wir können diese Graffititour sehr empfehlen aber siehe selber einige der Graffitis:

Graffiti Tour in Bogota

 

Graffiti am Spielplatz

 

Graffiti eines Mädchens

 

Das Kind des Künstlers

 

Indigo

 

Joker

 

Nach den vielen wundervollen Eindrücken in Kolumbien heisst es nun für uns weiter in die nächste Grossstadt. Wo das sein wird, erfährst du in unserem nächsten Reiseblog.

4 Antworten auf “Die Grossstadt und der Amazonas”

  1. Hallo ihr zwei,
    Bei euren zwei kolumbianischen Blogeinträgen wird mir warm ums Herz 🙂 Der Jugo de Mora, ja das ist eine gute Entscheidung! Dank euch, weiss ich nun endlich, dass dieser weisse Wurm „Mojojoy“ heisst, gracias!
    Einen Essversuch hättet ihr aber ruhig machen können. Mir wurde dieser knusprig gegrillte Urwald-Snack vor Jahren im ecuadorischen Dschungel serviert.
    Grüsse aus Zürich, Sabrina

    1. Hola Sabrina
      Herzlichsten Dank für deinen Kommentar. Dass dir warum ums Herz wurde freut uns und auch wir haben Kolumbien sehr genossen. Mojojoy wurde uns leider nicht lecker gegrillt angeboten, sondern nur lebendig mit dem netten Hinweis: der Kopf muss ganz schnell abgebissen werden, denn der Wurm beisst sonst gerne zurück. Entsprechend ist uns die Lust auf diesen Snack schnell vergangen. Aber der Piranha als Alternative war lecker.
      Herzlich aus Nordperu
      Sarah und Armando

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